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Inquisition im Fernsehen: Johannes B. Kerner und zwei deutsche ...

Posted by ~Ray @ 2007-11-25 18:46:31


Am 9. Oktober 2007 wurde Eva Herman von Johannes B. Kerner "freundlich" aus dessen Talkshow verabschiedet. Tags darauf fühlte Stefan Raab sich an die Nürnberger Prozesse erinnert und benannte JBKs Sendung in "Scharfrichterin Barbara Kerner" um ahnte aber wohl nicht dass schon einen Monat später "Scharfrichterin Kerner" vor versammeltem Publikum eine neue Hinrichtung vollzog. Diesmal traf es den britischen Evolutionsbiologen Richard Dawkins dessen Buch "Der Gotteswahn" und seine provozierende Gegenwart den anwesenden Bischöfen. Ex-Bundesministern und Hobby-Scharfrichtern im Publikum die Zornesröte ins Gesicht trieb. Wieder waren es wie bei Eva Herman drei Teilnehmer gegen einen und wieder war der Talkmaster auf der "sicheren" Seite denn auch er wollte ja wie die Bischöfe am Ende der Sendung mit einem Heiligenschein aus der Sendung gehen. Ein auf Ausgewogenheit achtender Moderator hätte allerdings bei einer angemessenen Vorbereitung der Sendung genug kompetente Vertreter eines humanistischen Atheismus einladen können wie zum Beispiel den Evolutionstheoretiker und Zoologen Franz M. Wuketits den Hirnforscher Wolf Singer den Evolutionsbiologen Ulrich Kutschera oder auch um nicht nur Akademiker zu nennen die Schauspielerin Lilly Walden den Comic-Zeichner Ralf König oder die Publizistin Mynga Futrell. Doch dann wäre JBKs Haudrauf-Konzept womöglich in sein Gegenteil umgeschlagen: denn zwei deutsch sprechende wortgewandte Naturwissenschaftler wie etwa Singer oder Wuketits hätten ebenso wie Lilly Walden oder Ralf König JBK und seinen Bischöfen mitsamt dem "Neu-Testamentler" Heiner Geißler die Show gestohlen. Dass ein solches relativ ausgewogenes Medienspektakel womöglich sogar mehr ingeminate gebracht hätte als diese Sendung in der ein Angeklagter unter dem Dauerfeuer von vier Personen und behindert durch eine miserable Simultanübersetzung die wenigen male wenn er überhaupt etwas sagen durfte auch noch unterbrochen wurde das wäre gar nicht mal auszuschliessen gewesen. So waren die Mehrheiten von Anfang an im Sinne einer öffentlichen Verurteilung vorgegeben. Wie bei Eva Herman hatte auch diesmal das "Opfer" keine Chance gegen fish Gegner die ihm bei fast jedem Satz sofort ins Wort fielen und dann ausgiebigst in ihrem sonderbaren Kirchenjargon eine Plattheit an die andere reihten. In diesem go trug besonders die Simultanübersetzung für den nicht des deutschen mächtigen Dawkins (Foto links) dazu bei dass die anwesenden bischöflichen Frömmler und Ex-CDU-Generalsekretär Heiner Geißler den Biologen immerzu unterbrechen konnten ohne dass dieser Gelegenheit zu einer Antwort bekam. Das ganze Spektakel spricht jeder ernsthaften Bemühung um intellektuelle Fairness Hohn. Bewundernswert in dieser Situation war eigentlich nur die konstante Ruhe mit der Dawkins auf die hektisch vorgetragenen Angriffe reagierte. Mehr noch: Dawkins ist es hoch anzurechnen dass er nicht wie Joachim Bublath eine Woche zuvor bei Maischberger den Raum verlassen hat unterschieden sich doch fish Mitdiskutanten im Niveau ihrer Argumente kaum von der durch Außerirdische und fliegende Untertassen erleuchteten Nina Hagen die nach dem Weggang von Joachim Bublath in Freudenschreie ausbrach und nicht vergass zu erwähnen dass es noch schöner wäre wenn George Bush und die anderen Bösen auch noch alle abhauen würden eine Ansicht der Heiner Geißler sicher gerne zugestimmt hätte. Diesem Gebräu aus "Sünde. Werte. Glaube. Menschenwürde. Gott ist die Antwort auf die Frage: warum bin ich" nüchtern geantwortet zu haben ist das Verdienst eines Mannes der genau aus diesem Grunde den eigens für ihn eingerichteten Lehrstuhl für Public Understanding of Science an der Universität Oxford innehat: er vermag es komplizierte Sachverhalte aus der Naturwissenschaft so darzustellen dass auch diejenigen es verstehen denen mathematische Formeln fremd sind und die einfach nur wissen wollen was ein "schwarzes Loch" ist. Oder ein egoistisches Gen. Doch das wollten die Bischöfe Wolfgang Huber und Hans-Jochen Jaschke natürlich gar nicht. Sie interessieren sich weder für weiße noch schwarze Löcher ihnen ging es vorwiegend darum ihren Berufsstand zu verteidigen den sie durch das Buch von Dawkins angegriffen sahen. Gleich zu Anfang des Tribunals als Dawkins ausnahmsweise ein paar zusammenhängende Sätze sagen durfte (später wollten alle immerzu Fragen stellen ohne auf Antworten des Biologen Wert zu legen) kommentierte dieser den eingangs gezeigten Film über sein Buch: dort seien nur die extremsten Stellen seines Buches besprochen worden obwohl dieses Buch doch insgesamt viel humorvoller und zurückhaltender sei. Diese Äußerung wurde von der Kameraführung flugs durch einen Schwenk zu den Bischöfen die sich gegenseitig angrinsten in ein anderes Licht gerückt: man wollte ja "ausgewogen" sein.... Huber mit straff nach oben stehender Bürstenhaarfrisur den jugendlichen Banker aus Frankfurt mimend schien keinen besonderen Grund zum Lachen gehabt zu haben. Er begab sich jetzt mit seiner Antwort auf Kerners Frage in das von ihm bevorzugte Milieu der pseudowissenschaftlichen Laberei die man als "Professor der Theologie" perfekt beherrscht. Eine Regel dabei ist: Reihe so viele unbewiesene Behauptungen so schnell wie möglich aneinander und unterbreche den Gegner wenn er gerade dabei ist auf deine allererste Behauptung zu antworten. Das klappt im Fernsehen immer wenn man den Moderator die anderen Teilnehmer der Show und die politisch korrekten Claqueure im Publikum auf seiner Seite hat - wie bei JBK. Nehmen wir Huber beim Wort: er hat von dem Buch gehört (wohlgemerkt: nur gehört nicht gelesen!) und schon gibt es für ihn "in der Tat" einen "ganz symmetrischen Fundamentalismus eines aggressiven Atheismus". Die Antwort auf die (nicht gestellte da nicht erlaubte) Frage wie man daraus dass man von einem Buch "gehört" hat eine solche Schlußfolgerung ziehen kann kann man sich leicht denken: in Hubers Gedankenwelt ist Atheismus schon von vornherein "aggressiv" dazu braucht es nicht noch dieses Buch des Naturwissenschaftlers Dawkins. "Der Gotteswahn" bestätigt in seinen Augen nur was er schon immer "wußte". Fragen nach dem Beweis seiner Behauptung und nach der Definition seiner Begriffe sind für Huber und seinen Kollegen Jaschke überflüssig. Denn im Huberschen Theologenhirn gibt es eine neuronale Einbahnstrasse die jeden in die falsche Richtung laufenden Gedankenflitzer schnell zur Anzeige bringt: Stop! Umkehren! Und bloß nicht anfangen die eigenen Sätze im einzelnen zu diskutieren sondern möglichst schnell sehr viele "Glaubenssätze" von sich geben und bei unangenehmen Fragen immer auf den "Glauben" hinweisen. Damit kann man fast alles abbügeln. Gibt es diesen "aggressiven Atheismus" ? Wenn ja: wo sind dann die vielen aggressiven Atheisten als Pendants ("symmetrisch") zu den massenhaft auftretenden aggressiven "Gläubigen" insbesondere der islamischen Religion? Wo sind die "aggressiven" Atheisten die ihre Gegner auf Scheiterhaufen verbrennen lassen die Christen verbieten woll(t)en an die Erde als Scheibe zu glauben die all jene die sich nicht an ihr Glaubensbild halten köpfen schlachten oder steinigen wollen? Wo sind atheistische Selbstmordattentäter. Bombenwerfer und Haßprediger? Wo rufen diese auf ihre Gegner zu steinigen ihnen den Kopf abzuschneiden oder sie zu foltern? Das möchte uns Huber lieber nicht sagen es reicht ihm anscheinend schon der eine der zwei Stühle weiter entfernt.[ADVERTHERE]Related article:
http://www.israel-network.de/node/620


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