Nee die hat ja auch keine Füße hätte Otto gesagt. Aber Eva Herman ist eben auch nicht Otto und heißt auch nicht Braun mit Nachnamen sondern nur Herman. Obwohl manche der Anwesenden sie am liebsten mit Eva Braun angeredet hätten. Doch Herman die in den vorangegangenen 50 Minuten von Johannes B. Kerners Laber-Show am 09.10.2007 sich gegen die drei weiteren Teilnehmer Mario Barth. Senta Berger und Margarete Schreinemakers einen sog. Faschismusexperten namens Wippermann sowie ein johlendes Publikum verteidigen sollte wurde von allen Seiten mit Vorwürfen bombardiert und nun als das Wort "Autobahn" über ihre Lippen kam vom Moderator Kerner freundlich aus dem Saal gewiesen. Anschliessend konnte die Runde um Kerner sich gegenseitig auf die Schulter klopfen hatte man doch die Fernsehzuschauer vor dem gefährlichen braunen Gedankengut einer ehemaligen Tagesschausprecherin bewahrt die Gesichter strahlten wieder und über ihren Häuptern blinkte der Heiligenschein der politisch Korrekten: Gegen Nazis! Gegen Krieg!
Wie kam es zu diesem in der deutschen Talk-Show-Geschichte so ziemlich einmaligen Rausschmiss? War die von der Tagesschausprecherin und Moderatorin zur Buchautorin gewandelte Eva Herman etwa tatsächlich von NS-Ideologie infiziert war sie der Meinung dass Hitlers Autobahnen und die Familienpolitik der Nazis eine gute Sache darstellten nützlich auch für das spätere Deutschland?
Genau das versuchte Moderator Kerner die ganze Zeit der sichtlich überforderten Herman in die Schuhe zu schieben. Mit gleichmäßig freundlich lächelnder Miene fuhr der Moderator immer größere Geschütze auf von der einfachen Frage: "Hast du nicht selbst auch etwas falsch gemacht?" über "Wie lange bist du bei Bischof Mixa in der Lehre gewesen?" bis zur Konfrontation mit einer Kritik am "Individualismus" in Alfred Rosenbergs faschistischem "Mythus des zwanzigsten Jahrhunderts": Kerner kämpfte verbissen um den Sieg wohl wissend dass sein Gegenüber von allen Seiten unter Beschuss genommen sich schon irgendwann im Laufe des Gespräches verhaspeln würde.
Doch die Blamage ist ganz auf Seiten des Moderators und seiner Teilnehmer Senta Berger. Margarete Schreinemakers und Mario Barth wobei man den letzteren als Blödel-Barden kaum ernst nehmen konnte ("Du hast noch kein einziges mal gesagt dass du das Kacke findest was du da gesagt hast..."). Diese Blamage nahm einen Tag nach der Sendung treffend aufs Korn:
Schreinemakers-TV und andere Sendungen der schrecklichsten Moderatorin aller Zeiten haben ihr die Millionen nur so in die Kasse gespült: dank ihrer stark an denen Interesse zu zeigen der "gute" Geschmack verbietet die man daher gerne zu Hause vorm Fernseher verfolgt dem öffentlichen Zugriff entzogen. Und wie schon in ihren früheren Sendungen verstand es Schreinemakers vorzüglich die hochgradig betroffene Gefühlsnudel zu spielen: "Das ist unerträglich auch für'n Sender sorry ich krieg erhöhten Puls. sorry"
Nicht viel besser stellte sich Dauer-Talkshowgast Senta Berger dar. Mit langatmigen Erzählungen über die schauspielernde weibliche Verwandtschaft und deren Schwierigkeiten ihren Beruf mit den Mutterpflichten zu verbinden und belehrenden Ausführungen über die Errungenschaften der 68er nervte sie die wenigen kritischen anwesenden Zuschauer.
Interessanter war da schon der sog. "wissenschaftliche" Berater der Sendung der in der Historiker-Szene nicht gerade übermäßig bekannte Prof. Wolfgang Wippermann auch er keinesfalls prädestiniert für seine Aufgabe in dieser Sendung. Wippermann ist Mitglied im Corps Hildeso-Guestphalia Göttingen und im Corps Vandalia Rostock im Kösener Senioren Convents-Verband (KSCV) einer obskuren elitär-konservativen schlagenden Burschenschaft zu der z. B auch der ehemalige gehörte. Jungle World schreibt dazu:
Elitedünkel. Protektionismus eine nicht aufgearbeitete Vergangenheit die Ausgrenzung von Frauen und eine fehlende Abgrenzung zur extremen Rechten sind noch heute im KSCV zu finden.
Wippermann ist darüber hinaus ein ausgewiesener Verharmloser kommunistischer und stalinistischer Verbrechen. Er meint unter Lenins Herrschaft seien in der Sowjetunion die Opfer "nach streng wissenschaftlichen Kriterien" ausgewählt worden die Mitarbeiter der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen sind ihm ein Dorn im Auge (alles nur "Neue Rechte") und die Verbrechen in der Sowjetunion. China. Kambodscha oder Nordkorea gingen ja gar nicht auf das Konto des Kommunismus weil das keine "echten kommunistischen oder sozialistischen" Regimes gewesen seien.
(so sein Bundesbruder Manfred Kanther ehemals Innenminister unter Kohl) unterstützt und als linker Verharmloser kommunistischer Gewaltverbrechen in der Historikerzunft überaus kontrovers diskutiert wird warum ausgerechnet dieser von Schreinemakers als "kompetenter Wissenschaftler" apostrophierte Nationallinke sich erdreistet die 1958 geborene Eva Herman aufzufordern sich "von diesem rassistischen Frauenideal zu distanzieren" als habe er nicht Eva Herman vor sich sondern die wiedergeborene Eva Braun bleibt uns ein Rätsel.
Dabei war das der einzige Satz den Eva Herman sagte der richtig war und an dem es nichts auszusetzen gab. Dass er eine solche Empörung auslöste und schließlich zu Hermans verfrühtem Abgang führte zeigte nur eines: "Was trifft trifft auch zu." (Karl Kraus)
Und es sind nicht nur die Autobahnen die zum gerne und selbstverständlich benutzten Erbe des Dritten Reiches gehören. Der Historiker Götz Aly hat in seinem Buch "Hitlers Volksstaat" an vielen Beispielen belegt woher der Reichtum der Bundesrepublik kommt und welche sozialen Regelungen von den Nazis übernommen wurden darunter das sogenannte Ehegattensplitting und die Krankenversicherung für Rentner. Wer sich heute glaubwürdig und nachhaltig von den Nazis distanzieren wollte müsste nicht nur die Autobahnen meiden sondern auch auf das Kindergeld verzichten schließlich wurden im Dritten Reich Ehestandsdarlehen gewährt die durch die Geburt von vier Kindern vollständig getilgt werden konnten.
Doch was steckt hinter den Äußerungen (Original siehe hier:) der Herman auf Pressekonferenzen und im Fernsehen? Alles braunes Gedankengut? Die Antwort darauf ist enttäuschend unspektakulär: gar nichts. Auf jeden go keine braune Soße. Jeder der die Aussagen der Herman Wort für Wort gelesen und bei Kerner mitverfolgt hat wer mal einen kurzen Blick in ihre Bücher geworfen hat weiß genau was Herman auf jeden go nicht ist: eine Eva Braun die irgendwelche "Leistungen" (O-Ton Kerner) des nationalsozialistischen Regimes rechtfertigen wollte. Das zeigt schon ein kurzer Ausschnitt aus ihrem Buch "Das Eva-Prinzip" (). Daraus wird insbesondere deutlich dass das ganze Geschrei von Schreinemakers. Kerner & Co. über die Äußerungen der Herman auf Pressekonferenzen völlig überflüssig war: hätten sie doch nur die Bücher gelesen bevor sie darüber diskutierten. Im Gegenteil geht aus den schriftlichen und mündlichen Auslassungen der Herman zum Thema eindeutig ihre (Eva Hermans) Aussage hervor dass insbesondere die Nazis den Wert der Frauen als Mütter diskreditiert hatten und die 68er taten dasselbe dann unter dem Banner ihrer eigenen Ideologie die sich in machen Teilen kaum noch von der ihrer angeblichen Feinde unterschied: beispielsweise dem Antisemitismus. Da man ihr kein Wort der Entschuldigung zu den Pressekonferenz-Äußerungen entlocken konnte versuchte Kerner es dann mit der Brechstange: sie habe eben.
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